Razor-qt unter Fedora 17

Als Linux-User hat man ja das Glück sich seinen Desktop aussuchen zu können. Und so gibt es von den Dingern auch eine recht ansehnliche Zahl. Dazu kommen noch die diversen Fenstermanager. Wenn man allerdings als Qt als GUI-Toolkit haben möchte, so blieb dem User bisher nur der Einsatz von KDE Plasma. Okay, theoretisch gäbe es noch den KDE3-Fork Trinity. Der ist aber ein „Desktop ohne Zukunft“ (O-Ton M. Gräßlin, KWin-Entwickler, im freienMagazin 09/2011).

Razor-qt mit, KWin und Arora (Browser)

Seit einiger Zeit gibt es eine Alternative zu KDE Plasma für diejenigen, denen KDE Plasma zu groß und zu umfangreich ist: Razor-qt.

Die Entwickler beschreiben Razor-qt als „toolbox-like desktop-enviroment“, was ich sinngemäß mit „baukastenartige Desktop-Umgebung“ übersetze. Das beschreibt die Geschichte schon ganz gut. Neben dem konsequenten Einsatz von Qt wird bei Razor vor allem Wert auf Modularität gelegt. Jede einzelne Komponente, vom Powermanagment über das Panel bis hin zum Fenstermanager, liegt als einzelnes Paket vor. Und bei weiterführenden Programmen wie Dateimanager, Browser, Mail-Client, etc. werden nur passende Programme empfohlen, so dass sich jeder Benutzer nehmen kann, was ihm am besten gefällt. So bleibt der Desktop schlank und verhältnismäßig Ressourcen schonend. Und der Desktop sieht dabei, dank Qt, richtig schick aus und nicht als hätte man den Quellcode Ende der 90er vergraben und irgendein Idiot hätte ihn heute wieder aus gebuddelt.

Das Kontextmenü von Razor

Richtig Pepp kommt meiner Meinung nach erst rein, wenn man statt des Standardfenstermanager OpenBox KWin einsetzt. KWin mag nicht ganz so viele Einstellungsmöglichkeiten haben wie OpenBox, dafür macht er optisch deutlich mehr her.

Bei den Programmen macht es natürlich Sinn nach Möglichkeit auf Qt-Programme zu setzen. Für diejenigen, die nicht wissen, was sie nehmen sollen, haben die Entwickler von Razor eine Liste der empfohlenen Anwendungen in ihrem Wiki erstellt.

Leider fällt einem schnell auf, dass es verhältnismäßig wenig Qt-Software außerhalb des KDE SC Universums gibt: So bin ich immer noch auf der Suche nach einem Mail-Client, der nicht Kmail heißt. Und damit wären wir bei den Nachteilen diese noch jungen Desktop-Projektes.

Razor Desktop Config

Angefangen mit der Dokumentation: Das Wiki ist, vorsichtig ausgedrückt, sehr rudimentär. Auch fehlen verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, wie z.B. Die Anzahl der Arbeitsflächen. Oder andere lassen sich nur über die entsprechende config Datei erreichen (Schnellstarter-Leiste). Und natürlich die schon angesprochene Softwareauswahl. Wenn man sich nicht KDE Plasma durch die Hintertür installieren will, ist man doch recht stark eingeschränkt.

Bei all diesen Problemen und Problemchen muss man jedoch bedenken, dass der Desktop noch sehr jung in der Entwicklung ist. Aktuell ist die Version 0.4.1. Wer dennoch einen Versuch wagen will, kann sich entweder via git etwas backen oder man bindet das X11 QtDesktop Repo mit

su -c 'wget http://download.opensuse.org/repositories/X11:/QtDesktop/\
Fedora_17/X11:QtDesktop.repo -O /etc/yum.repos.d/QtDesktop.repo'

ein.(Edit, 29.08.: Typo korrigiert) Wer Fedora 16 einsetzt, muss hier natürlich Fedora_17 gegen Fedora_16 austauschen. Anschließend installiert man die neueste Version via

su -c 'yum install razorqt'

Das hat den Vorteil, dass man Zugriff auf ein paar Qt-Anwendungen hat, die nicht in den offiziellen Repositories sind, z.B. den Dateimanager Andromeda.

Nichts desto trotz übernehmen wir keine Verantwortung, falls das eigene System durch diese Anleitung unbrauchbar gemacht werden sollte. Das Befolgen dieser Anleitung geschieht somit auf eigene Gefahr!

5 Antworten auf „Razor-qt unter Fedora 17“

  1. Hallo,

    ich habe die oben genannten repos mit wget hinzugefügt, jetzt sagt mir yum aber, wenn ich versuche zu updaten „file contains no section headers“ und unterbricht einfach! Wie kann ich die repos jetzt wieder mit wget löschen???

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