Nicht-GPL-Treiber in Linux

Wie Golem.de berichtet wird Suse Linux kÌnftig ohne proprietÀre Treiber ausgeliefert. Darunter zÀhlen dann auch die Treiber von AVM und ATI.

Was passiert hier? Die Freie Software-Bewegung hat mit Linux eine freie Plattform geschaffen, die es ermöglichte mit Betriebssysteme wie Linux freie Betriebssysteme fertigzustellen. Die meisten Distributionen haben Ìber lange Jahre dennoch proprietÀre Software mitgeliefert bzw. selber eingesetzt. Darin lag immer eine gewisse Inkonsequenz. Aber es wurde eben das geliefert was möglich war. Die Nutzer lebten mit einem proprietÀren Browser wie dem von Netscape, ebenso wie mit KDE oder den erwÀhnten proprietÀren Kernel-Treibern.

Viele Linux-Fans glaubten, es ginge bei Linux darum, einfach ein kostenloses Betriebssystem mit zusÀtzlich kostenloser Software zu erhalten. Aber weit gefehlt! Die Distributionen versuchten auch lange Zeit ihren Claim abzustecken und sicherten sich mit proprietÀren Tools wie YAST ihren Markt. Damit widersprachen sie aber auch ihrer eigenen Argumentation: Wenn denn Freie Software als Basis besser ist, warum dann proprietÀre Software unter Linux einsetzen? Viele Firmen wie auch AVM und ATI sehen Linux im Moment als einen kleinen Markt an, den man mit ein paar angepassten Treiber befriedigen kann. Sie scheuen die Freigabe ihrer Treiber als Freie Software, weil sie dadurch Einblicke in ihre Technik befÌrchten. Dabei muss man aber bedenken, das Firmen wie MySQL AB und andere 100% ihrer Entwicklung offenlegen.

ProprietÀre Software und Treiber auf Linux werden immer ein Fremdkörper bleiben. Der Ansatz von Linux war immer radikal – und die entscheidensten Fortschritte wurden nicht bei proprietÀren AufsÀtzen geschaffen, sondern dort wo intensive und frei kooperiert wurde, auch Ìber Distributionsgrenzen hinweg.

Die derzeitige Diskussion um Nicht-GPL-Treiber unter Linux lÀutet eine neue Phase unter Linux ein, in der aus dem Linux-Bereich versucht wird verstÀrkt Einfluss auf Soft- und Hardwareentwickler zu nehmen und ihre Entwicklungs- und GeschÀftsmodell der Freien Software anzupassen. Und dieses Modell widerspricht dem Konzept des einmal entwickelns, Deckel drauf und abkassieren. Es ist aber falsch anzunehmen, das eine freie Entwicklung und kommerzielle Interessen unvereinbar wÀren. Es ist allerdings so, das es sich nicht auszahlt ein paar Zeilen Code zu schreiben, ein Patent anzumelden und dann ein bisschen Marketing zu betreiben. Hier ist ein kooperatives GeschÀftsmodell gefragt oder anders ausgedrÌckt: „Coopetition“ (so sieht es z.B. zwischen Novell und Red Hat aus). Dies wird Ìbrigens auch in allgemeinen Wirtschaftskreisen als eine alternative GeschÀftsstrategie durch (s.a. Vortrag von Prof. Dr. Hartmut Walz: ?Ist ÿkonomie stets Krieg und Frieden gleichzeitig?? zum Buch: Coopetition – kooperativ konkurrieren)

Zum Fall AVM sein auch noch die LektÌre der Email von Sven Schmidt empfohlen: „2.6.16 serious consequences / GPL_EXPORT_SYMBOL / USB drivers of major vendor excluded.

Genaugenommen droht AVM in dieser Email an seine Gutherzigkeit zu beenden und keine Treiber mehr fÌr Linux zu entwickeln. Dies ist dann konsequent, wenn man als Firma nicht bereit ist, sein GeschÀftsmodell zu Àndern. Denn es macht nur Sinn etwas unter der GPL zu entwickeln, wenn man dies auch mit einem offen zugÀnglicher Versions wie CVS oder vergleichbares tut. Und somit auch Externen erlaubt am Code zu arbeiten. AVM befÌrchtet ihre marktbeherrschende Stellung zu verlieren. Wenn die Linux-Distributionen aber zusammenhalten, so werden sie zusammen mit den Anwendern (die auch wiederum oftmals Firmen sind) ggf. AVM und andere Firmen zu einem Einlenken bewegen. Es geht nÀmlich nicht darum, ob dadurch jetzt ein kleiner Kunde kostenlos an Treiber kommt. Im wesentlichen geht es darum, ob man in der Lage sein wird ein Linux-System in sehr weiten Teilen anzupassen und auch Fehler selber zu bereinigen. So wird ein Kunde wie IBM sicher in der Lage sein die Treiber nötigenfalls selber anzupassen. Wenn sie das tun, so werden sie ihre Verbesserungen auch veröffentlichen mÌssen, sofern sie die Treiber kopieren wollen und diese unter der GPL stehen.

Nokia zeigt auch, wie es gehen kann: Mit der MAEMO-Plattform und dem Nokia 770 ist es ihnen sogar möglich gewesen ein Produkt auf den Markt zu werfen, das softwareseitig nur halb fertig ist. MAEMO basiert zu groÿen Teilen auf GNOME und Linux. Nokia investiert hier in die Weiterentwicklung freiere Software. Sie haben z.B. bei Abiword die OpenDocument-Im- und Exportfunktionen gesponsort. Sie mÌssen aber nicht die komplette Linux- und GNOME-Weiterentwicklung bezahlen. Firmen wie AVM wollen durchaus ihr Geld mit Linux verdienen, aber sie wollen kein Wissen teilen. Ich glaube durchaus, das es sich fÌr AVM (noch) kaum lohnt, Linux-Treiber zu programmieren, aber das liegt nicht zuletzt daran, das sie deren Entwicklung eben auch nur selber machen wollen.

Auf fand man in letzter Zeit immer öfters Veröffentlichungen von GPL-Treiber fÌr Drucker wie z.B. von den Firmen Brother oder Epson. Dort wurde offenbar verstanden, das es auch fÌr Hardwarehersteller einen gangbaren Weg darstellt, Hardwaretreiber unter der GPL zu veröffentlichen. Vielleicht setzt sich diese Erkenntnis langsam auch bei anderen Herstellern durch. Linux-User sollten jedenfalls beim Hardwarekauf insbesondere darauf achten, wie sich der Hardwarehersteller insgesamt in diesem Bezug verhÀlt. Es ist nicht unbedingt notwendig das Linux-Treiber sofort verfÌgbar sind. Wenn der Hersteller gut kooperiert, wird die Hardware dann auch zÌgig gut unterstÌtzt werden.

2 Antworten auf „Nicht-GPL-Treiber in Linux“

  1. Es sei auch erwÀhnt, das es bereits seit lÀngerem Distributionen gibt, die ausschlieÿlich Software, die unter der GPL oder einer anderen freien Lizenz steht, mitliefert. Bestes Beispiel ist wohl Debian 😉
    SuSE ist also noch nicht einmal unbedingt ein Pionier, wenn Sie ankÌndigen, keine properitÀren Treiber mehr mitzuliefern.

  2. Welche meinst Du? Sag nicht Debian. Debian hat auch einen offiziellen non-free-Zweig. Der Kern ist total frei, aber non-free ist nicht third-party Software, sondern offizieller Bestandteil von Debian, halt optional.

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