Ist "Fedora Core" ein Community-Projekt?

Einige Entwicklungen bei Fedora lassen mich an dem Community-Charakter von Fedora zweifeln. Die Entscheidung letztens z.B. „Mono“ mit aufzunehmen (s.a. „Fedora 5 wird Mono enthalten„). Das Mono-Projekt (fÌr alle, die es nicht kennen) ist der Nachbau des von Microsoft entworfenen „.NET“- Entwicklungs- und Laufzeitumgebung. Wegen Bedenken aufgrund vorhandener Softwarepatente oder zukÌnftiger Firmenpolitik hat man Mono nicht in Fedora Core 4 eingebaut. Dabei hat man Àhnliche Bedenken zu Java nicht gehabt. Ohne das die Community besonders involviert war, hat man dann einfach beschlossen es mit aufzunehmen. Bekannt wurde es durch einen Blog-Eintrag Aufgrund der Aufmerksamkeit, die diese revolutionÀre Meldung erfuhr fÌhlte sich der Autor des Blogs genötigt zu schreiben „It?s the apps that matter and they could have been written in any language. Mono just came along for the ride.“ Auf einmal? Es ging eben nie um die „Apps“. Es wurde hier immer stark gegen .NET und Mono argumentiert. Und die User wollten die „Apps“. Nun wird Mono eher sang- und klanglos aufgenommen und versucht diese Meldung eher tief zu hÀngen.

Eine andere Entwicklung sind die Release-Zyklen. Diese wurden wohl mit „alle 6 Monate“ angedacht. Dennoch gibt es immer wieder Abweichungen, die dann aber nur im Release Schedule nachgelesen werden können. D.h. die Community wird vor Fakten gestellt. In gewissermaÿen erinnert das an „It’s ready when it’s ready“ von Debian. Was ist der Hintergrund? Wird Fedora lediglich am Ende den BedÌrfnissen von „Red Hat Enterprise Linux“ bestimmt? Sicher gibt es da Unterschiede. Man zahlt auch einen unterschiedlichen Preis. Dennoch ist es fÌr uns als Anwender m.E. essentiell genauer zu wissen, wann das nÀchste Release kommt. Meinen Kunden z.B. erzÀhle ich, wann das nÀchste Update kommt. Die planen ihr Budget danach. Wenn es sich dann verzögert, wÌrde ggf. auch ein Upgrade vorgezogen. D.h. die Release-Policy hat unmittelbare Auswirkung auf die Planbarkeit sowohl von meinem Umsatz als auch auf das Budget meiner Kunden. Die Aussicht aus StabilitÀt hatte mich einst auch fÌr Fedora Core begeistert. Was die StabilitÀt und QualitÀt angeht bin ich auch nachwievor zufrieden. Das ewige Hin- und Her – und das GefÌhl entscheidende Dinge zu spÀt zu erfahren begeistern mich allerdings nicht.

Wir als Community sollten unsere Kritik immer öffentlich vorbringen. Das ist unsere Aufgabe. Mein Wunsch an Red Hat ist der, das es mehr Transparenz in die Entscheidungen gibt – und das es keine Tabus gibt. Es kann in einem Community-Projekt das sich so nennen will nicht sein, das bestimmte Teile (wie auch das Logo) nicht diskutabel sind. Red Hat muss da dringend nachbessern. Im Wettberwerb der Distributionen geht es eben auch um Transparenz, Berechenbarkeit und VerlÀÿlichkeit.